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Sonntag, 5. September 2010

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15.02.2010
 

Mobiles Windows-Betriebssystem

Microsoft öffnet neues Fenster für Handys

Aus Barcelona berichtet Matthias Kremp

Wie reagiert Microsoft auf die Herausforderung durch Apple und Google? Wochenlang spekulierte die Branche über die Mobiltelefon-Pläne des US-Konzerns, jetzt hat dessen Chef Steve Ballmer seine Strategie präsentiert: Der Software-Riese baut kein eigenes Handy - sondern tut das, was er am besten kann.


Als Microsoft-Chef Steve Ballmer die Bühne im überfüllten Conference Garden Room im Barceloner Plaza-Hotel betrat, wussten die meisten Zuschauer schon Bescheid. Smartphones sei Dank hatten viele der Anwesenden Journalisten die Nachricht längst gelesen, die er selbst da nun laut stampfend verkündete: Microsoft bringt kein eigenes Handy, sondern will vielen anderen Mobiltelefonen einen unübersehbaren Stempel aufdrücken, und zwar mit dem Handy-Betriebssystem "Windows Phone 7 Series". Die Pressestelle des Unternehmens hatte die entsprechende Pressemeldung bereits eine Minute vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung verschickt - mäßiges Timing.

Der wichtigste Unterschied zu all den Windows-Mobile-Vorgängern: Das neue Handy-Windows soll nicht mehr primär auf Business-Anwender ausgelegt sein. Stattdessen hat sich Microsoft vorgenommen, künftig stärker Privatanwender anzusprechen. Vor allem deshalb habe man sich bemüht, die Bedienung einfacher und intuitiver zu gestalten, sagt Ballmer. Spiele, Musik, Filme und soziale Netzwerke sind besser in das Betriebssystem integriert, die Benutzeroberfläche ist fast identisch mit der des MP3-Players Zune.

Suche den weißen Punkt

Auffälligstes Merkmal des neuen Mobil-Windows: Ohne Touchscreen geht offenbar gar nichts. Originellerweise leuchtet dort, wo man mit dem Finger den Bildschirm berührt, immer eine weiße Markierung auf. Möglicherweise soll das eine Orientierungshilfe sein, wirklich klar wurde der Sinn des weißen Punktes nicht, außer, dass er sich auf der Präsentation gut machte.

Im Mittelpunkt der Software mit dem unübersehbar Microsoft-typischen Endlosnamen steht ein überarbeiteter Startbildschirm. Der wird jetzt nicht mehr von einer Listendarstellung verschiedener Programme und Funktionen beherrscht, sondern ist in Kacheln, die sogenannten Hubs oder Themenbereiche, unterteilt.

Insgesamt gibt es sechs Hubs, von denen der Hub People (Personen) von Microsoft als wichtigster eingestuft wird:

  • Hier fasst der Konzern sozusagen sämtliche Kommunikationsvorgänge jener Personen zusammen, mit denen der Nutzer verbandelt ist. Legt man etwa fest, hier die Aktivitäten von Max Mustermann angezeigt zu bekommen, fließen an dieser Stelle sämtliche Kommunikationsströme zusammen. Egal ob Mustermann eine Mail oder SMS schickt, sich via Twitter oder Facebook äußert: Hier wird jede Aktivität sofort angezeigt. Ein Fingerzeig reicht, um die neuesten Nachrichten der jeweiligen Person zu lesen.

Die übrigen Hubs im Überblick:

  • Pictures: Hier werden Fotos verwaltet. Per Fingertipp können Schnappschüsse auf Portale wie Flickr oder Facebook hochgeladen werden.
  • Games: Microsoft hat in Windows Phone 7 seinen Online-Dienst Xbox Live integriert. Vom Handy aus soll man unter anderem Spielstände und Ranglisten verfolgen können. Außerdem soll es Handy-Spiele mit Xbox-Live-Unterstützung geben.
  • Music & Video: Dies ist der Bereich, der im Vorfeld für Gerüchte sorgte, Microsoft werde ein Zune-Handy herausbringen. Tatsächlich sagt Microsoft-Manager Joe Belfiore: "Jedes Windows-7-Phone ist ein Zune". Allerdings handelt es sich einfach um die Integration der Musik- und Videofunktionen des Microsoft-Players ins Handy, nicht um ein eigenständiges Gerät.
  • Marketplace: Microsoft Gegenstück zum iTunes Store. Hier sollen sich Handy-Nutzer mit Software, Musik und Videos versorgen - kostenlos oder gegen Geld. Zwar gibt es dieses Angebot bisher nur in den USA, bis zur Einführung der neuen Software soll sich das aber ändern. Die Einführung des Marketplace in Europa wird derzeit mit voller Kraft vorbereitet.
  • Office Mobile 2010: Die neue Mobilversion der Microsoft-Bürosoftware soll funktionell weitgehend der Desktop-Variante entsprechen. Ob es damit mehr Spaß macht als bisher, Excel-Tabellen und Powerpoint-Präsentationen am Handy zu bearbeiten, darf bezweifelt werden.

Bing auf Knopfdruck

Neben diesen Hubs hat Microsoft, ähnlich wie Google es bei Android mit seiner Suchmaschine getan hat, seine Suchmaschine Bing mit dem Betriebssystem vermählt. Und nicht nur das: Eine dedizierte Bing-Taste soll den Aufruf der Suchfunktion erleichtern. So soll sich von fast jeder Anwendung aus eine Web-Suche initiieren lassen - ein klares Zeichen für den Stellenwert, den das Suchportal für Microsoft mittlerweile hat.

Der Integration dieser Taste in das Betriebssystem zeigt allerdings auch, dass Microsoft seinen Kunden künftig wesentlich strikter als bisher vorgibt, was ihre Hardware können muss, welche Minimalanforderungen erfüllt werden müssen. Dazu gehört vor allem ein kapazitiver Touchscreen, genauere Angaben dazu machte Steve Ballmer aber nicht.

"Bei den Fähigkeiten von Smartphones wird es mehr Konsistenz geben als bisher", sagte Ballmer. Die wichtigsten Bausteine kommen denn auch von Chip-Hersteller Qualcomm. Offenbar müssen Handy-Produzenten viele Bauteile ihrer künftigen Handys von vorgegebenen Herstellern beziehen, wenn darauf Microsofts neues Betriebssystem laufen soll.

Wann kommen die Zune-Phones?

Befürchtungen, diese engen Fesseln könnten die Bandbreite neuer Handys einschränken, wischen Ballmer und seine Angestellten mit immer denselben Sprüchen beiseite: Man verlasse sich da ganz auf die Kreativität der Partnerfirmen, die es sicher fertigbrächten, trotz der strengen Vorgaben deutlich voneinander unterscheidbare Geräte zu bauen.

Bis man solche Handys kaufen kann, wird es aber noch ein Weile dauern. Das Prototyp-Handy etwa, mit dem Microsoft-Manager Belfiore das neue System vorführte, ist ein dicker Klopper, den man nicht allzu gern mit sich herumschleppen möchte. Und auch an der Software muss wohl noch kräftig gearbeitet werden. So wurde zwar der Microsoft-Mobil-Browser mit Tabs und besserer Schriftdarstellung verbessert - wie so vielen Smartphones fehlt aber auch ihm Adobes Flash.

Ob sich das ändert, bevor die ersten Handys mit Windows Phone 7 Series auf den Markt kommen, ließ Ballmer offen, verkündete aber mit Donnerstimme: "Wir haben keine Einwände dagegen, Flash auf Windows Phone 7 zu portieren". Zeit genug hätten Microsofts Programmierer noch. Erst zum Weihnachtsgeschäft 2010 sollen die Telefone in den Läden stehen, kündigte der Microsoft-Chef an. Reichlich Zeit also für Google, Apple, Nokia und Co., sich mit eigenen Entwicklungen gegen die neuen Windows-Smartphones zu rüsten, die eigentlich Zunes mit Telefonfunktion sind.

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18.02.2010 von mschomm: Vollständiges OS geht prima auf "Slates"

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17.02.2010 von P.Lush: -

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17.02.2010 von lassehoffe: Kein DRM

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17.02.2010 von chu84k4: Gesamtkonzept vs. Modulkonzept

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Quelle: Gartner







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